Birmingham-Tagebuch

Unsere ehemalige Schülerin Anabel Voigt hat im Jahr 2020 als erste Deutsche überhaupt ein Studium im Fach Althorn am renommierten Royal Birmingham Conservatoire begonnen. Auf dieser Seite berichtet sie regelmäßig aus ihrem alltäglichen Leben:

August/September 2022:

„Hi,

nach der langen Sommerpause – in der endlich einmal Zeit für Entspannung und Urlaub war – gibt es wieder Einiges zu berichten: Gestartet bin ich in die zweite Jahreshälfte mit dem International Summer Brass Band Camp Ende August. Für mich war es vor allem sehr spannend, Erfahrungen im Unterrichten zu sammeln und endlich wieder in gewohnter Weise nach Schneeberg fahren zu können.

Anabel Voigt Oberaargauer Brass Band und Brass Band Berner Oberland

Anabel mit dem Hornregister der Brass Band Berner Oberland (links) und mit der Oberaargauer Brass Band bei den 32. Besson Swiss Open (rechts)

Mein Studium hat mittlerweile auch wieder begonnen. Bis Dezember heißt mein Studienort aber nicht Birmingham, sondern Luzern in der Schweiz, da ich hier ein Auslandssemester bei Thomas Rüedi mache. In den 4 Wochen, die ich jetzt an diesem Ort verweile, gab es schon viele Ereignisse, die mir noch lange in Erinnerung bleiben werden: So konnte ich gleich an meinem ersten Wochenende Solo Horn mit der Brass Band Berner Oberland beim Meisterkurs Dirigieren und dem dazugehörigen Konzert spielen. Gleichzeitig probte ich mit der Oberaargauer Brass Band für die 32. Besson Swiss Open, die am 24.09.22 im KKL (Konzerthalle) stattfanden. Die Band hat dabei nicht nur ein richtig gutes Ergebnis abgeliefert, sondern ich konnte auch super viele alte und neue Gesichter treffen.

Anabel Voigt Orchesterschule KLANGwelt

Anabel mit ihr Studienkolleg*innen im Engadin

Vor Semesterbeginn sind dann beide Klassen (aus Luzern und Bern) von Thomas Rüedi in ein 4-tägiges Camp im Engadin gefahren. Neben viel Musizieren kam der soziale Aspekt nicht zu kurz und es gab neue Eindrücke wie Soundpainting und Soundwalking.

Liebe Grüße,
Anabel“

Mai/Juni/Juli 2022:

Hallo,

heute berichte ich von den Ereignissen in den letzten Monaten meines zweiten Studienjahres bis zur Sommerpause: In dieser Zeit sind insgesamt viele Events zusammengekommen. So war ich ein Teil der Europäischen Jugend Brass Band, mit der ich sieben Konzerte in einer Woche gespielt habe und bei der ich super viele junge Musiker*innen aus ganz Europa kennengelernt habe. Gleichzeitig wurde ich auch kurzfristig angefragt, bei der Brass Band Regensburg für die Europäischen Brass Band Meisterschaften auszuhelfen. Gemeinsam konnten wir die Challenge Division an diesem Wochenende gewinnen. Beides super schöne und spezielle Erinnerungen! Wie jedes Jahr stand dann im Mai auch mein Endjahres-Vorspiel an. Leider fand es nur eine Woche nach der Meisterschaft statt, sodass nicht ganz so viel Vorbereitungszeit war wie gewollt. Aber wie das Jahr davor war es eine tolle und lehrreiche Erfahrung, denn die Chance, in einer tollen Konzerthalle solistisch zu spielen, bekommt man nicht allzu oft. Am Ende bin ich sogar mit der Höchstnote davon gekommen.

Anabel Brass Band BlechKLANG und Tredegar Town Band

Anabel mit Ihren Kolleginnen der Brass Band BlechKLANG (links) und beim Konzert mit der Tredegar Town Band (rechts)

Ende Mai folgte dann der Kurztrip nach Jena, um beim Galakonzert der Brass Band BlechKLANG mitzuspielen. Wie immer habe ich mich gefreut, wieder alle Bandkolleg*innen zu treffen und gemeinsam ein am Ende sehr erfolgreiches Konzert zu spielen. Leider ging es dann sofort wieder gen Birmingham, da wir mit der College Band noch weitere Proben hatten für unser Endjahreskonzert an der Hochschule. Dieses fand am 15. Juni statt und war besonders, da wir gemeinsam mit der Tredegar Town Band auftreten durften und auch mehrere Stücke zusammen gespielt haben.

Anabel Johan de Meij und Grimethorpe Colliery Band

Anabel mit Johan de Meij (links) und der Grimethorpe Colliery Band (rechts)

In der gleichen Zeit wurde ich auch angefragt, bei der CD Aufnahme der Grimethorpe Colliery Band auszuhelfen, bei der der bekannte Komponist Johan de Meij dabei war. Eine einmalige Erfahrung, vor allem ein außergewöhnlicher Nervenkitzel, da ich vor dem Aufnahmetag nicht alle Noten hatte und natürlich auch noch nie diese Stücke mit der Band gespielt hatte.

Anabel World Youth Brass Band Kerkrade

Anabel bei der World Youth Brass Band in Kerkrade

Die Woche vor meiner Rückkehr nach jena war ich dann noch in den Niederlanden, um Teil der ersten Auflage der World Youth Brass Band zu sein. Zusätzlich durften wir die Weltmeisterschaften der Brass Bands mit anhören und somit Top Bands aus der ganzen Welt erleben. In dieser Woche konnte ich, wie schon bei der Euopäischen Jugend Band, viele neue Freundschaften schließen und alte Bekannte wiedertreffen. Einen ganz besonderen Eindruck hat aber „Brass for Africa“ hinterlassen, die jedem gezeigt haben, dass Spaß und Zusammenkunft doch das Schönste an der Musik sind.

Danach war aber erst einmal Zeit für den Sommer und die Entspannung!

Ich wünsch euch alle einen erholsamen Sommer und bis zum International Summer Brass Band Camp,
Anabel“

März/April 2022:

„Hallo, willkommen zurück!

In den letzten Wochen gab es wieder viel zu tun. Neben diversen Prüfungen standen nämlich auch gleich zwei Solowettbewerbe an, und außerdem eröffnete sich mir die Möglichkeit, einige interessante Konzerte zu besuchen.

Doch lasst mich ausführlich berichten: Gleich Anfang März hatte ich mein technisches Examen, welches fast 50 Prozent meiner Hauptfachnote ausmacht. Geprüft wurde ich in Tonleitern, Etüden, Brass Band-Auszügen und im Blattspiel. Zusätzlich absolvierte ich noch ein Musikgeschichtsexamen, in dem ich mehrere Hörproben und Partiturausschnitte argumentativ einem Komponisten sowie einem Genre zuordnen musste.

Anabel beim Wettbewerb März 2022

Anabel mit den Finalisten des Blechbläser-Preis 2022 in der großen Konzerthalle des Royal Birmingham Conservatoire

Da jetzt gerade, also während des 2. Semesters des Jahres, die Wettbewerbe der Hochschulen stattfinden, ergriff ich auch in 2022 die Gelegenheit. Diesmal nahm ich an einem Contest teil, in dem nur Stücke gespielt werden, die von Frauen komponiert wurden. Leider schied ich da schon in der Vorrunde aus. Es war aber sehr interessant, neues Repertoire zu finden und leider auch erschreckend, wie wenig Auswahl es gibt. Der zweite Wettbewerb war der Blechbläser-Preis, bei dem ich mit drei anderen Kandidaten ins Finale gekommen bin, worüber ich natürlich sehr erfreut war. Dadurch hatte ich seit langer Zeit, wieder einmal die Möglichkeit, in unserer großen Konzerthalle vor vielen Leuten zu spielen.

Bühne der Oper Banished

Bühne der Oper „Banished“

An der Hochschule gibt es neben Vorlesungen natürlich auch immer kleinere oder größere Konzerte, die kostenlos für Studenten sind. So kriegt man mit, was andere Abteilungen gerade machen und bekommt neue musikalische Ideen/Eindrücke. Eines dieser Events war die Frühlingsoper „Banished“, welche die Erfahrungen von verbannten Frauen darstellt, die zwischen 1788 und 1868 für geringe Straftaten nach Australien transportiert wurden. 

Mittlerweile hat für mich die vorlesungsfreie Zeit begonnen, d. h. aber leider nicht, dass ich Freizeit habe. Denn jetzt wird für mein Endjahresvorspiele im Mai geübt!

Bis bald,
Anabel“

Januar/Februar 2022:

Hallo zusammen und willkommen zu meinem Tagebuch!

Gerade befinde ich mich mitten im 4. Semester und viele Dinge laufen parallel: Bandproben, Solowettbewerbe, Examen und Bewerbungsfristen für zukünftige Projekte oder Wettbewerbe. Zusätzlich wird natürlich auch noch weiter geprobt, da Recitals/Endjahresvorspiele nur zwei Monate entfernt sind.

Anabel gewinnt Uni Brass 2022

Links: Anabel mit der Royal Birmingham Conservatoire Brass Band nach dem Sieg bei Uni Brass 2022 (Foto: Joy Newbould), Rechts: Anabel (2. von links) mit ihren Kolleginnen vom Hornregister und der Trophäe

In den vergangen Wochen gab es schon viele Highlights, die ich noch lange in Erinnerung haben werde. So konnten wir mit der Royal Birmingham Conservatoire Brass Band UniBrass 2022 gewinnen und haben zusätzlich 3 neue Stücke uraufgeführt. Außerdem hatte ich im Februar die Möglichkeit bei Grimethorpe Colliery Band für ein Konzert auszuhelfen, was natürlich sehr nervenaufreibend war aber auch eine super gute Erfahrung.

Anabel bei Grimethorpe

Anabel (Mitte) mit dem Hornregister der Grimethorpe Colliery Band

Akademisch hatte ich in dem Zeitraum mein Pädagogik-Examen, bei dem ich einem meiner Lehrer Posaune beibringen musste und Prinzipien fürs Unterrichten erläuterte. Wie man sich denken kann, hatten alle Beteiligten sehr viel Spaß dabei und im Endeffekt wurde ich mit einer sehr guten Note belohnt.

So viel zu meinem Januar/Februar Rückblick 🙂

See you,
Anabel